Das lange Warten der !Xu 4500 Buschmänner hoffen auf Zukunft.
Siebzig Kilometer westlich Südafrikas ehemaliger Diamanten-Metropole Kimberley weist ein Schild nach Hopetown - Hoffnung der Diamanten-Digger im letzten Jahrhundert auf einen großen Fund. Nach zehn Kilometern staubiger Piste ein Schlagbaum, Stacheldraht. Hier ist das neue Schmidtsdrift. Seit 1990 hoffen hier 4500 Menschen auf Zukunft. Hunderte graubrauner Zelte stehen dicht an dicht zwischen Steinen und Dornbüschen. Junge Männer verwarten die Zeit. Nun kam die Hitze zum Jahreswechsel. Die Zelte heizen sich auf wie Backöfen. Im Juni beginnen dann die scharfen Nachtfröste.
Schmidtsdrift ist ein Symbol für leere Versprechungen. Nachdem Buschmänner als Fährtenleser für die Portugiesen in Angola arbeiteten, mußten sie nach dem Krieg 1974 nach Namibia fliehen, dem damaligen Deutsch-Südwestafrika. Dort gerieten sie gleich in einen neuen Krieg - den der Swapo gegen Südafrika - und arbeiteten für das Apartheidregime. Die Swapo gewann 1989, und die Buschmänner hatten auf der falschen Seite gekämpft; in Namibia galten sie nun als Verräter. In einer humanitären Aktion brachte Südafrika 372 Buschmann-Soldaten und über 3500 Angehörige per Luftbrücke in Sicherheit. Aber das Provisorium blieb ein Dauerzustand.
Mario Mahongo, 45 Jahre alt, ist Militärpfarrer und Sprecher der hiesigen 3000 !Xu-Buschmänner. Zweite Gruppe im Camp sind die großgewachsenen und dunkleren Khwe. Die lange abfällige Bezeichnung Buschmann habe sich langsam auch bei anderen Gruppen durchgesetzt und werde nicht mehr als Schimpfwort empfunden, sagt Mahongo. 1996 gab die Regierung im fernen Pretoria 13 Millionen Rand für die Menschen in Schmidtsdrift - umgerechnet 4,5 Millionen Mark - aus. Für knapp die Hälfte wurde den Buschmännern die Farm Platfontein bei Kimberley gekauft. Hier sollten sie, die nie Bauern waren, Landwirtschaft betreiben und Kunsthandwerk herstellen. Nun, Anfang 1999, sollen die ersten !Xu und Kwhe nach Schmidtsdrift umziehen, aber es fehlen Häuser, und Beamte blockieren die zweite Hälfte des Regierungsgeldes.
Die scheinbar unendliche Kalahari mit ihren rötlichen Sanddünen, bis zum Horizont wogendem gelben Gras der Trockenzeit und großen Antilopenherden war ihre Heimat. Als Ur-Ökologen lebten sie von der Natur und mit der Natur. Über 220 Kräuter kannten sie, ihre Orientierungsfähigkeit war phänomenal. Es gab keine übergeordnete Autorität, sondern nur Sippen und Sprachgruppen - Ausrufezeichen bei den !Kung und !Xo, Striche wie bei den G/wi und G//ana stehen für Schnalz-und Klicklaute. Bis zu 20000 Jahre alte Felsmalereien zwischen dem Kap und Zimbabwe berichten von ihrem Verhältnis zur Natur.
Ironischerweise half ihr Bekanntheitsgrad nicht bei der Bewältigung ihrer Probleme. Vor Kulturverfall und Alkoholismus standen Vertreibung, Mord und Ausbeutung. Seit Mitte des 17.Jahrhunderts suchten die weißen "Voortrekker", vom Kap kommend, neuen Lebensraum. Britische und auch deutsche Kolonisten jagten lange Zeit Buschmänner wie Wild. Und weil der Buschmann nichts besaß, war man ihm nichts schuldig. Sie verschwanden laut-und kampflos wie in einem "Traum, der uns träumt", sagte einer von ihnen zum Schriftsteller Laurens van der Post, dessen Buch "Die verlorene Welt der Kalahari" schon 1958 erschien. Nie hierarchisch strukturiert, zersplittert und ohne gemeinsame Sprache blieben sie stumm und konnten sich nicht verteidigen.
Und die zwei - eine in Namibia, eine in Südafrika - Organisationen, die für die Rechte der Buschmänner kämpfen, wurden viel zu spät gegründet. Der Geldmangel ist chronisch. Und oft sind diese Organisationen nur ein Sammelbecken für Idealisten und Menschenforscher. Nichts bewegt sich für den Buschmann.
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11 Janvier 1999 à 12:13 dans
- Deutsch (Buschmänner)

