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SOS Bushmen

Botswana will Buschmänner "zivilisieren".

Die letzten Buschmänner, die in Botswana noch als Nomaden leben, sollen zwangsumgesiedelt werden.

Mit Pfeil und Bogen wollen die letzten Buschmänner der Kalahari-Wüste ihre traditionellen Jagdgründe verteidigen. Doch die Regierung von Botswana ist fest entschlossen, die Ureinwohner aus ihren angestammten Gebieten im Zentralkalahari-Nationalpark umzusiedeln. Sie will noch in diesem Monat die Wassertanks abziehen, ohne die ein Überleben in den Wüstensiedlungen kaum möglich ist. Es sei zu teuer, das Wasser in die entlegenen Regionen zu transportieren, sagt die Innenministerin Margaret Nasha, die Regierung könne sich den Aufwand nicht leisten.

Etwa 500 Buschmänner leben noch mitten im touristisch attraktiven Wildreservat. Sie heissen Basarwa und sind Nachfahren der San, der Ureinwohner des südlichen Afrikas, die schon vor über 30 000 Jahren das Land besiedelten und zu den ersten Menschen der Erde gehörten. Über die Vertreibung der Basarwa wird schon seit Jahren gestritten. Das riesige Naturschutzgebiet im Herzen der Kalahari ist weltberühmt und soll für den Tourismus ausgiebig erschlossen werden. Deshalb wollte die Regierung die Ureinwohner schon frühzeitig umsiedeln.

Ausserdem, so argumentiert die Innenministerin, könne es in einem modernen Staat nicht hingenommen werden - und im Vergleich mit anderen Ländern Schwarzafrikas hat das kleine Botswana durchaus erstaunliche Fortschritte erzielt -, dass sich ein Teil der Bevölkerung den Errungenschaften der Zivilisation entziehe. Schliesslich hätten auch die Basarwa ein Recht auf Schulausbildung oder Krankenversorgung. So entstanden in den letzten Jahren neue Siedlungen am Rande der Kalahari, in die bereits ein Grossteil der Basarwa umgesiedelt wurde. Die meisten von ihnen sind jedoch arbeitslos und leben von Sozialhilfe.

Als "Höllenloch" und "schmutziges Flüchtlingslager" beschrieb kürzlich ein südafrikanischer Journalist einen der neuen Basarwa-Orte, den er besuchte. "Lustlos sitzen die Leute herum, die meisten sind betrunken", unfähig zu jagen oder ihre traditionelle Nahrung in der Natur zu sammeln. Dass die Umsiedlungsversuche bisher fehlgeschlagen sind, bestätigt auch die deutsche Botschafterin in Botswana, Irene Hinrichsen. Der Umgang mit der Minderheit sei "ein grundlegendes Problem", für das die Regierung noch keine Lösung gefunden habe.

Dabei hatte die botswanische Naturschutzbehörde der Regierung Vorschläge unterbreitet, die auf die traditionelle Lebensweise der Ureinwohner Rücksicht nehmen. Sie wollte den Basarwa einen Teil des Wildreservats in der Kalahari abtreten und ihnen auch die Jagd auf wilde Tiere genehmigen, sofern sie sich an eine Quotenregelung halten. Ausserdem, so die Naturschützer, könnten die Buschmänner im Ökotourismus und beim Schutz der empfindsamen Natur in der Kalahari eine wichtige Rolle spielen.

Auch die EU hat der Innenministerin von Botswana ein Projekt vorgeschlagen, das die Buschmänner in die Entwicklung des Wildreservats einbeziehen soll. Brüssel will 20 Millionen Euro (29,5 Millionen Franken) für das Programm zur Verfügung stellen, das der Minderheit der etwa 3000 Basarwa menschenwürdige und ihrer Tradition angepasste Entwicklungsmöglichkeiten einräumt. Kritiker der Umsiedlungspläne bezweifeln, dass die Regierung auf diesen Vorschlag eingehen wird. Zumal sich unter den alten Jagdgründen der Buschmänner in der grossen Kalahari-Wüste gigantische Diamantenfelder verbergen sollen.


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